Abenteuer Gründung

Den festen Job zu kündigen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen kostet Mut. Im Interview erzählen die drei Syncwork-Gründer Arnold Wiersbinski, Eberhard Bröer und Albrecht Hoene, wie sie die Anfangszeit erlebt haben.

 

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, die alten, sicheren Pfade zu verlassen und ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Arnold Wiersbinski: Entscheidender Anlass war ganz sicher, dass der Vorstand unseres damaligen Arbeitgebers CSC Ploenzke im Sommer 2000 geplant hatte, die Bedeutung und gewohnte Autonomie der regionalen Geschäftsstellen, also auch unserer in Berlin und Dresden, zugunsten eines zentralistischen Struktur- und Geschäftsmodells grundlegend zurückzusetzen. Dabei war unser eigener Handlungsspielraum im großen Unternehmensverbund gegenüber Kunden und Mitarbeitern immer die Basis unseres Erfolgs gewesen. Das wollte und konnte ich nicht mittragen.

Albrecht Hoene: Ganz genau, das Unternehmen, bei dem wir bis dahin gearbeitet hatten, wirkte auf einmal fremd. Das Gefühl der „Heimat“ war verlorengegangen – es gab keine Identifikation mehr. Damit war der Ball ins Rollen gebracht und je konkreter die Überlegungen einer eigenen Gründung wurden, umso mehr stieg die Begeisterung für das Neue.

Eberhard Bröer: Vorab, so sicher waren die Bedingungen in dem amerikanisch geführten Unternehmen nicht. Der Grund für das eigene Unternehmen war jedoch das Gefühl, mit den beiden Kollegen zusammen etwas Neues zu schaffen und eigene Werte und Vorstellungen umsetzen zu können.

 

Wie lange habt ihr für die finale Entscheidung euch selbstständig zu machen, gebraucht? Wer war am risikofreudigsten? Wer war der bedachteste Gründer?

Arnold Wiersbinski: Also ich brauchte – nach dem entscheidenden Gespräch mit den CSC-Verantwortlichen bezüglich des künftigen Geschäftsmodells – nur wenige Stunden. Unmittelbar danach habe ich mit Albrecht und Eberhard als potenzielle Mitstreiter und meinen langjährigen, vertrauten Managern gesprochen. Und als diese relativ rasch „dabei“ waren, war die finale Entscheidung getroffen. Risikofreudig waren wir wohl alle drei, aber ich selbst war es möglicherweise noch etwas mehr…

Eberhard Bröer: Der Prozess für die finale Entscheidung lief ca. drei Monate. Für mich kann ich sagen, dass ich mir die Sache nicht leichtgemacht habe und es mir gründlich überlegt habe. Insofern denke ich, dass ich der bedachteste Gründer bin.

Albrecht Hoene: Wie meine Vorredner schon richtig festgestellt haben: Arnold war der Optimist, Eberhard der bedachteste Gründer. Ich stand irgendwo in der Mitte. Alles kumulierte dann in dem Business-Plan, in dem wir die drei Sichtweisen zusammenbringen mussten.

 

Welche Charaktereigenschaften braucht es, um ein Unternehmen aufzubauen?

Eberhard Bröer: Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein.

Albrecht Hoene: Uns hat immer geholfen hat, dass wir drei Gründer sehr verschiedene Charaktere hatten und wir unsere eigenen Stärken einbringen konnten.

Arnold Wiersbinski: Da gibt es sehr viele unterschiedliche Sichten und Wahrheiten: Für mich war immer das „Vertrauen können“, das sich selbst und den anderen etwas „Zutrauen können“ entscheidend. Dazu gehört dann eben auch eine balancierte Risikobereitschaft. Ausdauer und Nervenstärke, das sind sicher auch Fähigkeiten oder Eigenschaften, die es braucht. Ach und vielleicht noch eins: Neugier und Menschenliebe.

 

Hattet ihr während der Gründungszeit schlaflose Nächte? Wenn ja, warum?

Arnold Wiersbinski: Während der Gründung kann ich mich eigentlich nur daran erinnern, dass ich einige halbe Nächte wachgelegen habe, weil ich über den „richtigen“ Namen für unser „Baby“ nachgedacht habe…

Albrecht Hoene: In der Gründungszeit habe ich gut geschlafen. Später, als wir dann auch mal Probleme mit Kunden und Projekten hatten, bei denen die Konsequenzen nicht absehbar waren, kam das eher vor.

Eberhard Bröer: Auch ich hatte keine schlaflosen Nächte. Die Finanzierung war im Grunde problemlos, da die Investoren uns kannten und großes Vertrauen in uns hatten.

 

Was bedeutet Mut als Unternehmer für euch?

Eberhard Bröer: Sich den Herausforderungen stellen. Durchhalten auch in schwierigen Situationen; positiv in die Zukunft schauen unter Beachtung aller Rahmenbedingungen. Aber auch das Teilen von Ansichten erfordert Mut.

Albrecht Hoene: Eine Gründung ist mit vielen persönlichen Risiken verbunden. Man ist darauf angewiesen, dass Dinge gut gehen; darunter auch solche, die einem noch gar bewusst sind. Wenn man alle negativen Konsequenzen, die einen treffen können, bis ins Detail durchdekliniert und in Gedanken zu sehr beim möglichen Scheitern ist, verliert man sich. Dann hat man nicht mehr den Mut für den Erfolg.

 

Was war für euch ganz persönlich eine der größten Herausforderungen in der Syncwork-Geschichte? Wann musstet ihr allen Mut zusammennehmen?

Arnold Wiersbinski: Auch, wenn ich lange darüber nachdenke, mir fällt da nichts ein. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich nicht. Aber richtig mutig mussten wir nach der Anlaufphase aus meiner Sicht nicht mehr sein.

Albrecht Hoene: Stimmt, nach der Gründung gab es eigentlich wenig Situation, die uns Mut abverlangt haben. Es gab viele Herausforderungen, denen wir uns stellen mussten, aber die mussten halt bewältigt werden. Da ging es um eher um Anpacken, weniger um Wagnis.

Eberhard Bröer: Meine gefühlte größte Herausforderung war ein Projekt. Hier koordinierte ich die Fusion von zwei der größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland. Die Herausforderungen für Syncwork als Unternehmen? Die schwierigen Rahmenbedingungen nach dem Platzen der Dotcom-Blase zum Zeitpunkt der Firmengründung und die Auswirkungen der Finanzkrise im Jahr 2008. Der größte gemeinsame Mut ist es meines Erachtens immer gewesen, sich gegen „Gelegenheiten“ zu entscheiden und lieber auf eine kontinuierliche Entwicklung des Unternehmens zu setzen.

 

Gab es Momente, in denen ihr nicht mutig genug ward?

Eberhard Bröer: Nein.

Albrecht Hoene: Ja.

Arnold Wiersbinski: Sicher gab es solche Momente. Ich erinnere mich an verschiedene Situationen, in denen wir mit etwas mehr Risikobereitschaft größeres Wachstum, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ, hätten schaffen können. Aber in unserer spezifischen „Dreierkonstellation“ entwickelten sich im Laufe der Jahre halt sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Höhe des sinnvollen Risikos. Und diese ganzen „Risikomanagementsysteme“ waren ehrlich gesagt nie mein Ding.

 

Lässt sich Mut erlernen? Seid ihr mit den Jahren mutiger geworden?

Albrecht Hoene: Mut vielleicht nicht, aber Gelassenheit. Viele Entscheidungen, die wir früher lange abgewogen haben, gehören jetzt zur Routine. Ich glaube, wir alle – Gründer, Vorstand, Management – haben jetzt vor dem Hintergrund einer erfolgreichen 20-jährigen Geschichte das Gefühl, dass wir das Geschäft beherrschen und uns so leicht nichts aus der Bahn wirft.

Arnold Wiersbinski: Ich glaube nicht, dass sich Mut erlernen lässt. Vielleicht ist die Risikobereitschaft in der Mitte des Lebens am höchsten. Aber das ist auch sehr individuell. Ich bin jedenfalls relativ frei von Angst geblieben. Zum einen weil ich immer Vertrauen in die Menschen habe und hatte, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Zum anderen, weil Angst – wovor auch immer – krank macht.

Eberhard Bröer: Der Umgang mit Herausforderungen lässt sich lernen. Mit den Jahren wird man abgeklärter und kann auf eine Vielzahl von Erfahrungen zurückgreifen. Mutiger oder zögerlicher bin ich nicht geworden.